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Rote Halle (Pergamon)

Untersuchungen zur Funktion und Ausstattung der Roten Halle in Pergamon

Die Rote Halle in Pergamon ist ein monumentaler Baukomplex der mittleren Kaiserzeit, welcher noch heute das Stadtbild des modernen Ortes Bergama allein wegen seiner Größe beherrscht (Abb. 1).

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Abb. 1   Rote Halle von Nordosten

Die Anlage setzt sich aus einem beinahe 180 m tiefen Vorhof im Westen und einer gewaltigen Portikus im Osten zusammen. Die Portikus fasst die Gruppe eines mittig gelegenen Ziegelbaus, zweier seitlich angegliederter Höfe und jeweils dahinterliegender Rundbauten zusammen (Abb. 2).

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Abb. 2  Plan des Baubestandes (schwarz) und Rekonstruktion (grau) unter Verwendung der Originalaufnahme von O. Ziegenaus

Die Anlage wurde durch die deutsche Pergamongrabung in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts z. T. von der rezenten Bebauung befreit und ein Plan angefertigt. Zu einer Auswertung und Publikation der Arbeiten kam es bedingt durch die Unterbrechung während des 2. Weltkrieges aber nicht. Schließlich gelang es durch das Engagement von A. Hoffmann und W. Radt die Forschungen im Jahr 2002 wieder aufzunehmen. Es wurde eine umfangreiche und steingerechte Bauaufnahme des Bauwerks angefertigt (C. Brückener) sowie die Einbauten und Ausstattung der Anlage untersucht (U. Mania).
Aufgrund umfangreicher Funde von Bruchstücken monumentaler ägyptisierender Figuren wurde die Rote Halle bereits seit langem als Heiligtum ägyptischer Gottheiten angesprochen. Mit der Aufnahme des Materials konnten diese Figuren, die als Stützen die Seitenhallen der Höfe flankierten, rekonstruiert werden (Abb. 3).

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Abb. 3  Oberkörperfragment einer Stützfigur und Rekonstruktion der figürlichen Stützen

Es zeigte sich aber, dass diese Figuren nicht den einzigen Hinweis auf die kultische Bestimmung des Bauwerks liefern: weitere Skulpturfunde sowie die Ausstattung des Hauptbaues weisen auf die Anwesenheit weiterer Götter etwa aus dem syrischen Bereich hin.

Bauliche Zusammenhänge, die Datierung der Gesamtanlage anhand der Ausstattungsgegenstände als auch der Bauornamentik machen mehreres deutlich: So kann es als gesichert gelten, dass das Bauprojekt in hadrianischer Zeit geplant und begonnen sowie nach mehreren Planänderungen in späthadrianischer Zeit oder bald danach fertiggestellt wurde. Bautechnische Details, der Stil der ägyptisierenden Figuren und der Bauornamentik sowie das Erscheinungsbild der Gesamtanlage belegen einen engen Bezug auf Rom und kaiserlichen Bauprojekten (Abb. 4).

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Abb. 4  Konsole mit Blattformen, die auch an hadrianischen Bauten Athens vorkommen

Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die Rote Halle unter dem direkten Einfluss des Kaisers Hadrian entstand. Eine Funktion des Bauwerks für den Kaiserkult oder gar im Rahmen der panhellenischen Bestrebungen Hadrians können als Intention für die Errichtung der aufwendigen Anlage angenommen werden.
Gegenwärtig werden Restaurierungsarbeiten an dem Denkmal stadtrömischer Architektur in Kleinasien durch das Deutsche Archäologische Institut Istanbul (DAI) vorgenommen. Die Forschungsarbeiten wurden unter anderem durch das DAI, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Gerda-Henkel-Stiftung ermöglicht.

Leitung: A. Hoffmann

Teilprojekt Bauaufnahme: C. Brückener

Teilprojekt Ausstattung und Funktion: U. Mania

studentische Mitarbeiter: T. Bernd, F. Gutschke, M. Lubos

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