Sie sind hier: Startseite Forschung Selinunt - Töpferviertel Das Fundmaterial

Das Fundmaterial

Allgemeines

Wie in anderen Bereichen der Stadt sind auch im Töpferviertel die Fundmengen sehr groß: Es handelt sich dabei vor allem um aus Ton gefertigte Produkte, die entweder innerhalb der Insula selbst oder in den angrenzenden Werkstätten des Töpferviertels hergestellt worden sind. Den größten Anteil machen Keramikgefäße aus, insbesondere Grobwaren wie Schüsseln, Amphoren, Hydrien und Kannen. Darüber hinaus wurden an feinerem Geschirr lokaler Produktion vor allem kleine Schälchen, Skyphoi und Schalen gefunden. Importe sind dagegen nur selten unter den Funden und befanden sich vor allem in den Schichten, die zur Nutzungsphase archaischer Zeit gehören. Es handelt sich vor allem um Fragmente attischer und – in geringerer Menge – korinthischer Feinware.

Darüber hinaus wurden weitere Terrakotta-Produkte innerhalb der Insula gefunden und deshalb dort mit großer Wahrscheinlichkeit entweder hergestellt oder verwendet worden: Terrakotta-Plastik, Arulae, Louteria, Webgewichte und Sarkophagteile.

 

Abb9_Webgewicht

Abb.9: Fehlgebranntes Webgewicht

Metallfunde – die meisten aus Bronze, einige aus Eisen und nur vereinzelte aus Blei – sind selten. Unter den wenigen, aufgrund des Erhaltungszustandes noch identifizierbaren Stücken sind vor allem Nägel und Nadeln, sowie vereinzelt Fragmente von Gefäßen, Reiben, Angelhaken und Pfeilspitzen. Darüber hinaus wurden wenige Bronzemünzen in unterschiedlichen Teilen der Grabung gefunden.

Zwischen dem Fundspektrum der Schichten archaischer und denen klassischer Zeit zeichnen sich deutliche Unterschiede ab: Aus dem 6. Jh. v. Chr. finden sich mehrere massive Planierungsschichten, in denen bei einer Umstrukturierung der Insulabebauung ein großer Teil des ehemaligen Inventars ‚entsorgt‘ wurde. Auch die Zusammensetzung des Materials unterscheidet sich deutlich von der in den Schichten des 5. Jhs. v. Chr. Der Anteil lokaler und importierter Feinkeramik ist im 6. Jh. v. Chr. deutlich größer und die Qualität sowie der Erhaltungszustand der Stücke sind wesentlich besser.

Abb10_Glättwerkzeug

 

Abb.10: Glättwerkzeug

Lediglich auf der untersten Terrasse im Osten der Insula wurde ein antikes Nutzungsniveau mit in situ befindlichem Inventar nahezu vollständig konserviert (zum Befund). Anhand der Funde lassen sich innerhalb des Raumes unterschiedliche Nutzungsbereiche unterscheiden: Der nordwestlich gelegene Raum diente als Lagerraum, im östlich daran angrenzenden Raum wurden Nahrungsmittel zubereitet und konsumiert. Der Brunnen in der Nordostecke diente der Wasserversorgung für das alltägliche Leben und Arbeiten. Im Südteil des Gebäudes diente als Arbeitsraum, enthielt jedoch auch eine kleine Kultnische.

Produkte

Das Fehlen von Abfallgruben mit Fehlbränden erschwert die Bestimmung der Produktpalette der im Bereich der Insula und in ihrem Umkreis ansässigen Werkstätten. Durch Fehlbrände sind Dachziegel, große Schüsseln, vereinzelt andere Gebrauchsgefäße, Webgewichte sowie auch Abstandhalter als Produkte nachweisbar (Abb. 9). Andere Gattungen sind lediglich anhand der Fundmengen (z. B. Louteria, Sarkophage) oder in Einzelfällen anhand von Werkzeugen (Stempel), zu identifizieren, die bei ihrer Herstellung verwendet wurden.

Abb11_Werkzeug   Abb12_Stempel

Abb. 11: Glättwerkzeug                               Abb.12: Stempel

Werkzeuge und Abstandhalter

Zu den gefunden Werkzeuge gehören Reibsteine, Glättwerkzeuge für große und kleinere Gefäße (Abb. 10. 11), Stempel (Abb. 12), Matrizen (Abb. 13) sowie Abstandhalter. Von letzeren wurden ca. eintausend Stück gefunden wurden. Fast immer handelt es sich um keilförmige Exemplare in verschiedenen Größen (Abb. 14), die vor allem bei Dachziegeln und großen Gefäßen verwendet wurden. Fragmente von ring- und zylinderförmigen Exemplaren, die zum Stapeln kleinerer Gefäße dienten, wurden dagegen nur vereinzelt gefunden. Stempelabdrücke und Graffiti, die sich sowohl auf den keilförmigen Abstandhaltern als auch auf einigen Produkten befinden, belegen die Anwesenheit zahlreicher, unterschiedlicher Handwerker, die innerhalb oder im Umkreis der Insula produziert und sich die Nutzung der Öfen bisweilen geteilt haben.

 

Abb13_Matrize

Abb.13: Matrize

Der einzige Hinweis auf die Existenz einer Töpferscheibe ist ein kleiner, aus Kalkstein gefertigter Zylinder, der im Zerstörungshorizont von 409 v. Chr. in dem Arbeitsraum auf der östlichsten Terrasse gefunden wurde. Es handelt sich um das Lager für die hölzerne Achse der Töpferscheibe.

Abb14_Abstandhalter

Abb. 14: Keilförmige Abstandhalter

Artikelaktionen