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Informationsveranstaltung BA-Studium Archäologien
am Montag, den 10. Oktober 2016 um 9.00 Uhr

 

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Das Handwerkerviertel von Selinunt. Die Töpferwerkstatt in der Insula S16/17-E

Seit 2010 führt die Abteilung für Klassische Archäologie der Universität Bonn im Handwerkerviertel der griechischen Koloniestadt Selinunt im Südwesten Siziliens umfangreiche Ausgrabungen durch. Dies geschieht im Rahmen einer Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Instituts in Rom und dem Parco Archeologico di Selinunte e Cave di Cusa 'Vincenzo Tusa'. Ziel ist es, einen antiken griechischen Werkstattkomplex mit all seinen Fertigungsbereichen umfassend zu erforschen und Rückschlüsse auf antike Produktionsprozesse zu gewinnen.

 

PlanSelinunt

Abb. 1: Stadtplan des antiken Selinunt, grün: das Handwerkerviertel


Die Töpferwerkstatt in der Insula S16/17-E ist Teil eines ausgedehnten Handwerkerviertels im Tal des Gorgo Cotone, das durch geophysikalische Prospektion nachgewiesen wurde. Finanziert wird die Unternehmung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Deutschen Archäologischen Institut, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Bonn.

Ziel des Projekts ist es

- erstens eine antike Werkstatt freizulegen, um deren architektonische Struktur und Arbeitsprozesse zu rekonstruieren

 - zweitens die Produkte der Werkstätten in Bezug auf die Technik und die Verbreitung zu untersuchen

 - drittens die urbanistische Einbindung und die Anbindung an die Verkehrswege zu klären

GeoplanSelinunt

Abb.2: Die Töpferöfen der Insula S16/17 auf dem geophysikalischen Prospektionsplan


Bisherige Grabungen und Ergebnisse

Im Rahmen der bislang drei Grabungskampagnen wurde der südliche Bereich zwischen den Straßen S 16-E und S17-E in einer Biegung des Flusses und der parallel verlaufenden Stadtmauer erforscht. Zwischen 2010 und 2012 konnte eine Fläche von insgesamt knapp 600m2 geöffnet werden, die Teile der Straße S 16, den östlichen Kopf der Insula mit Werkstatt sowie die Straße und eine Freifläche vor der Stadtmauer umfasste.

Von der Töpferwerkstatt wurden bislang vier große Öfen, zwei von rechteckiger und zwei von runder Form, sowie ein einzelner großer Werkstattraum nachgewiesen. Erhalten haben sich bei zwei rechteckigen Öfen die vorgelagerten Praefurnien, die in den Hang getieften Feuerungsräume bis kurz unterhalb der Lochtennen sowie der Ansatz der Kuppeln. Bei den Rundöfen sind auch Reste der Lochtennen erhalten.

 

Nördlich des großen Rundofens befindet sich ein großer, einstmals überdachter Werkstattraum mit einer Fußbodenpflasterung aus wiederverwendeten Dachziegeln, in dem sich unter anderem ein Brunnen für den Wasserbedarf der Werkstatt befindet. Ferner deuten Funde von Terrakotten, Arulae und Miniaturgefäßen auf ein kleines Werkstattheiligtum in diesem Raum hin.

Außerdem erlauben diverse Werkzeuge, Abstandhalter und Fehlbrände Rückschlüsse auf die ehemaligen Produkte und deren Herstellungsprozess. Die Nutzungszeit dieser Anlagen kann in das 5. Jh. v. Chr. datiert werden. Darunter sind bislang mindestens zwei Öfen einer älteren Phase archaischer Zeit nachgewiesen. Eine massive Brand- und Schuttschicht, die anhand von Keramik- und Münzfunden sicher datiert werden kann, zeugt von der Zerstörung des Komplexes im Rahmen der Eroberung Selinunts durch die Karthager im Jahr 409 v. Chr. Danach ist keine Produktion in der Werkstatt mehr nachweisbar. Lediglich die Erneuerung der Straßen zeugt von der Nutzung dieses peripheren Gebietes Selinunts im Zuge eines umfangreichen Steinraubes an der Stadtmauer und einer Durchsuchung des Areals nach brauchbaren Baumaterialien.

Darüber hinaus konnte ein Teil der Stadtmauer mit einer Mächtigkeit von 4,10 m ergraben werden. Sie ist in Schalentechnik, mit sorgfältig behauenen Quadern und einer Füllung aus kleineren Bruch- und Lesesteinen errichtet. Im Inneren verläuft entlang der Mauer ein schmaler, grob geschotterter Weg, der nach Norden in eine Senke abfällt. An dieser Stelle konnte ein Wasserdurchlass in der Stadtmauer nachgewiesen werden, der von einer ehemaligen städtischen Entwässerung zeugt. Der Stadtseite der Mauer vorgelagert existieren Reste einer großen älteren Konstruktion aus der Anfangszeit der Kolonie.

 

Literatur

M. Bentz – J. Albers – J.M. Müller – G. Zuchtriegel, Werkstätten in Selinunt. Ein neues Forschungsprojekt, Kölner und Bonner Archaeologica 1, 2011, 45–48.

M. Bentz – J. Albers – J. M. Müller – G. Zuchtriegel, Werkstätten in Selinunt. Vorbericht zur Kampagne 2011, Kölner und Bonner Archaeologica 2, 2012, 107–113.

M. Bentz – L. Adorno – J. Albers – J.M. Müller – G. Zuchtriegel, Werkstätten in Selinunt. Vorbericht über die Arbeiten 2010-2012, RM 119, 2013, 69-98.

Projektteam 2012

Abb.5: Das Team der Grabungskampagne 2012

 

Projektleitung


Prof. Dr. Martin Bentz
Institut für Archäologie und Kulturanthropologie
Abteilung Klassische Archäologie
Universität Bonn
Am Hofgarten 21
53113 Bonn
Tel: ++49-228-73 77 35
E-Mail

 

Projektteam


Dr. Jon Albers (Bonn, Schnittleitung und Organisation)
Dr. Gabriel Zuchtriegel (Matera, Schnittleitung und Organisation)
Dott.ssa Valentina Garaffa (Bonn, Schnittleitung)
Jan Marius Müller M.A. (Bonn, Leitung Fundbearbeitung)
Dott.ssa Linda Adorno (Bonn, Fundbearbeitung)
Axel Miß B.A. (Bonn, SHK, Datenbank iDAIfield)

Das Projekt wird unterstützt mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft, des Deutschen Archäologischen Institutes Rom, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Bonn.

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