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Didyma 2009

Im Jahre 2009 konzentrierten sich die neuen Ausgrabungen in Didyma auf zwei Bereiche: einen Hügel im Osten der Heiligen Straße (sog. Taxiarchishügel) und die unmittelbar an den Apollontempel angrenzenden Areale, die bislang aufgrund neuzeitlicher Bebauung unzugänglich waren:

 

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Grabungsareal


I. Taxiarchis-Hügel

Im Jahre 2000 gelang es nach Sichtung und Auswertung alter, bislang falsch interpretierter bzw. vernachlässigter Grabungsdokumentationen und der Durchführung von geophysikalischen Prospektionen, einen bisher unbekannten Kultplatz zu lokalisieren. Er befindet sich an exponierter Stelle auf einer Anhöhe oberhalb der Heiligen Straße, die Milet mit Didyma verband, 200 m vom großen Apollon-Tempel entfernt (s. Übersichtsplan). Im Verlauf der sich bis 2003 anschließenden, durch die Fritz-Thyssen-Stiftung finanzierten Grabungen, wurde hier auf geringer Fläche in großem Umfang äußerst qualitätvolles Votivmaterial archaischer Zeit (vom Ende des 8. bis zum Anfang des 5. Jhs. v. Chr.) zutage gefördert, wie es für Heiligtümer von überregionaler Bedeutung charakteristisch ist.

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 archaische Keramik vom ´Taxiarchis`

Zum jetzigen Zeitpunkt kann festgestellt werden, dass sich an dieser Stelle bis zur Zerstörung Didymas durch die Perser ein Kultbezirk befand, der danach aufgegeben und für die Deponierung des Schuttes aus dem Hauptheiligtum genutzt wurde. Dieser Grabungsbefund liefert nicht nur für die Geschichte Didymas ganz neue Erkenntnisse, sondern auch für die Interpretation archaischer Heiligtümer im Allgemeinen. So läßt das Spektrum der Weihgaben ein besonderes Profil erkennen, das für eine bestimmte Klientel ebenso signifikant ist wie für spezifische Votivpraktiken und Rituale. Um die Gestalt und Ausstattung dieses Kultplatzes sowie die Identität der hier verehrten Gottheit abschließend zu klären, ist es notwendig, die Grabungen an diesem Ort fortzusetzen.

 

II. Grabungen im Bereich des Apollontempels

Ein ganz wesentliches Desiderat für die Rekonstruktion der Kulttopographie von Didyma stellt der Tempel der Artemis dar, die neben Apollon zweifellos die wichtigste Gottheit an diesem Ort war. Obwohl verschiedene Anhaltspunkte darauf hinweisen, daß sich das Heiligtum der Göttin in unmittelbarer Nähe des großen Apollontempels befand, wurde in den 80er Jahren postuliert, daß es sich südwestlich der Heiligen Straße auf der sog. Felsbarre befand. Nachdem diese These inzwischen mit guten Gründen widerlegt werden konnte, richtet sich der Blick nun erstmals wieder auf den zentralen Bereich des Gesamtheiligtums. Da bis vor wenigen Jahren die an den Tempel angrenzende Bebauung des 19. Jhs. jegliche Grabungen in seinem direkten Umfeld verhindert hatte, ist es erst in den letzten Jahren durch den sukzessiven Einsturz und die Abtragung der alten verlassenen Häuser möglich geworden, diesen unangetasteten Bereich mitten im Zentrum des Heiligtums archäologisch zu erschließen (II auf Abb. Grabungsgebiete). Während der ersten Grabungskampagne im Rahmen des Projektes wurde zunächst nordwestlich des Tempels ein kleines, in der Flucht des Naiskos liegendes Areal freigelegt. Architektonische Strukturen traten hier jedoch nicht zutage. Statt dessen zeigte sich, daß dieser Bereich zunächst in spätrömischer und dann noch einmal in byzantinischer Zeit durch meterhohe Einfüllungen erheblich erhöht worden ist. Insofern muß in diesem Bereich für die früheren Nutzungsphasen ein völlig anderes Geländeprofil rekonstruiert werden, das gegenüber der Euthynterie der Peristasis des spätklassischen Tempels deutlich abfiel. Das Fehlen jeglicher Baustrukturen scheint darauf hinzuweisen, daß sich der von den Schriftquellen überlieferte Hain des Apollonheiligtums, dessen Lokalisation im westlichen Tempelgelände bereits von den früheren Ausgräbern vermutet wurde, auch hier erstreckte. In der folgenden Grabungskampagne 2010 galt es nun, den Bereich südöstlich des Tempels zu erschließen, um auch hier zunächst einen Überblick über die antike Nutzung zu gewinnen.

Häuser

Neuzeitliches 'Griechenhaus' auf dem Grabungsgelände 

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