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Mylasa in Karien

Antike Kulturgeschichte im Spiegel archäologischer Denkmäler

 

Mylasa, das heutige Milas, in der antiken Landschaft Karien war die Hauptstadt der Hekatomniden, bis Maussollos im zweiten Viertel des 4. Jhs. v. Chr. die Residenz nach Halikarnassos verlegte. Doch auch im Hellenismus und in der römischen Kaiserzeit gehörte die Stadt zu den bedeutendsten in Karien. Im 5. Jh. n. Chr. wurde sie Bischofssitz und gehörte seit dem 14. Jh. den türkischen Emiren der Menteşeoğulları, die im nahen Beçin ihr Herrschaftszentrum hatten. Seit osmanischer Zeit ist Milas, das von der Antike an ständig bewohnt blieb, nur noch Kreisstadt.

 

Nachdem schon 1985/86 die Fundstücke aus Milas in den archäologischen Museen von Istanbul, Izmir und Bodrum gesichtet worden waren, konnte 1994 bis 1997 im Auftrag der Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Institutes und dank der Genehmigung türkischer Stellen in Milas selbst und im dortigen Museum gearbeitet werden. 2005 wurden noch einmal die Neufunde seit 1998 im Museum Milas aufgenommen. Mit einer Gruppe aus Archäologen, Architekten und jeweils einem Geodäten wurden 1994 bis 1997 in der Stadt, in der umgebenden Ebene und auf den sie einfassenden Bergen die sichtbaren Spuren der Antike gesichert. 

Bild3

Abb. 3: Gümüşkesen-Mausoleum, 2. Jh. n. Chr.

© F. Rumscheid

Von Steinbrüchen über Befestigungsanlagen, Aquädukte, Großbauten und Gräber (Abb. 3) bis hin zu einzelnen Bauteilen (Abb. 4), Skulpturen (Abb. 5) und Kleinfunden (Abb. 6) wurden Denkmäler vorwiegend geometrischer bis spätantik/byzantinischer Zeit in Zeichnungen und Photos dokumentiert. Unter anderem wurde ein detaillierter Plan der antiken Baureste im eigentlichen Stadtgebiet von Mylasa erstellt.

Abb.4

Abb. 4: Säulenbasis mit Blattkranz, wohl noch 1. Jh. v. Chr.
© F. Rumscheid

 

 

Anhand dieser Materialsammlung, der reichen inschriftlichen, literarischen und numismatischen Quellen der Antike sowie der Informationen in den erwähnten Reiseberichten und der verstreuten neueren Literatur entsteht, zeitweilig gefördert von der DFG, eine Monographie, in der erstmals umfassend die Kulturgeschichte Mylasas und seiner nahen Umgebung historisch differenziert dargestellt wird. Einige Ergebnisse sind bereits vorab in Form von Aufsätzen zur Diskussion gestellt worden, darunter auch die Identifizierung des Uzunyuva genannten Sockelbaus (Abb. 7), der bis dahin als Tempel des Zeus Karios galt, und der umgebenden Terrasse als nie vollendetes Monumentalgrab des karischen Satrapen Maussollos (Abb. 8).

Abb. 7

Abb. 7: Hekatomnidengrab © F. Rumscheid

Nachdem 2010 eine Grabkammer mit Reliefsarkophag unter dem Sockelbau bekannt geworden ist, hat man das Grab vielfach als jenes des Hekatomnos gedeutet, des 377 v. Chr. verstorbenen Vaters und Vorgängers des Maussollos. Der Stil der Sarkophagreliefs, die Detailformen der Bauornamentik, bautechnische Eigenheiten und die Stadtentwicklung von Mylasa sprechen jedoch dafür, dass das Grab frühestens in der Regierungszeit des Maussollos angelegt worden ist.

Abb.8

Abb. 8: Plan Hekatomnidengrab
© F. Rumscheid

 

Bisher aus diesem Projekt hervorgegangene Publikationen:

  • F. Rumscheid, Milas 1994, in: 13. AST, 29 Mayıs – 2 Haziran 1995 Ankara I (Ankara 1996) 77–98 (deutsch und türkisch).
  • F. Rumscheid, Milas 1995, in: 14. AST, 27–31 Mayıs 1996 Ankara I (Ankara 1997) 123–140 (deutsch und türkisch).
  • F. Rumscheid, Milas 1996, in: 15. AST, 26–30 Mayıs 1997 Ankara II (Ankara 1998) 385–407 (deutsch und türkisch).
  • F. Rumscheid, Milas 1997, in: 16. AST, 25–29 Mayıs 1998 Tarsus II (Ankara 1999) 165–186 (deutsch und türkisch).
  • F. Rumscheid, Mylasas Verteidigung: Burgen statt Stadtmauer?, in: E.-L. Schwandner – K. Rheidt (Hrsg.), Stadt und Umland, DiskAB 7 (Mainz 1999) 206–222.
  • J. Rumscheid – F. Rumscheid, Gladiatoren in Mylasa, AA 2001, 115–136.
  • F. Rumscheid, Regionale Moden bei Gladiatoren und athletische Eurhythmie eines Kochtopfes: vier neu gefundene Grabreliefs aus Mylasa, in: T. Korkut u. a. (Hrsg.), Anadolu’da Doğdu, Festschrift für Fahri Işık zum 60. Geburtstag (Istanbul 2004) 631–647.
  • F. Rumscheid, Inschriften aus Milas im Museum Bodrum, EpigrAnat 37, 2004, 43–61.
  • F. Rumscheid, Der Tempel des Augustus und der Roma in Mylasa. Eine kreative Mischung östlicher und westlicher Architektur, JdI 119, 2004, 131–178.
  • F. Rumscheid, Zur Herkunft der neuen karischen Inschrift aus der Region von Mylasa, Kadmos 44, 2005, 187.
  • A. Kızıl – F. Rumscheid, Ein neu gefundenes Pfeilerkapitell aus dem frühhellenistischen Mylasa , IstMitt 56, 2006, 207–214.
  • F. Rumscheid, Maussollos and the ‘Uzun Yuva’ in Mylasa : an Unfinished Proto-Maussolleion at the Heart of a New Urban Center?, in: R. van Bremen – M. Carbon (Hrsg.), Hellenistic Karia, Proceedings of the First International Conference on Hellenistic Karia, Oxford, 29 June – 2 July 2006 (Bordeaux 2010) 69–102.
  • F. Rumscheid, Im Grab mit Aphrodite? Kleinskulpturen aus Mylasa und Stratonikeia, in: L. Karlsson – S. Carlsson (Hrsg.), Labraunda and Karia. Proceedings of the International Symposium Commemorating Sixty Years of Swedish Archaeological Work in Labraunda, The Royal Swedish Academy of Letters, History and Antiquities Stockholm, November 20-21, 2008, Boreas 32 (Uppsala 2011) 445–459.


Kontakt
 

Prof. Dr. Frank Rumscheid
Institut für Archäologie und Kulturanthropologie der Universität Bonn
Abt. Klassische Archäologie
Am Hofgarten 21
D-53113 Bonn
Tel.: +49-228-73 77 34
E-Mail: f.rumscheid(at)uni-bonn.de

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